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Ehe alles zu spät ist

 Kirchliche Verzagtheit und christliche Sprengkraft Ministerpräsident a. D. Dr. Erwin Teufel mahnt Reformen an

WP_000062„Am Abend sagt ihr: Es kommt schönes Wetter, denn der Himmel ist rot. Und am Morgen: Heute gibt es Sturm, denn der Himmel ist rot und trüb. Das Aussehen des Himmels könnt ihr beurteilen, die Zeichen der Zeit aber nicht.“ (Mt 16,2) Das Jesuswort stellte Dr. Erwin Teufel an den Anfang seines Vortrages „Ehe alles zu spät ist“ am 6. Dezember im Haus St. Ulrich in Augsburg. Der engagierte Christ, Familienvater, Politiker redete seiner Kirche mit Leidenschaft, Lebenserfahrung und Humor ins Gewissen, doch endlich die Zeichen der Zeit ernst zu nehmen.

Drei Bereiche führte der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg aus:

  • „Wir haben genügend Priester. Nur wir weihen sie nicht.“ Mit dieser signifikanten Aussage ging Dr. Teufel, der selbst Pfarrgemeinderat, Diözesanrat und Mitglied des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken war, mit den Pastoralplänen deutscher Diözesen ins Gericht. „Nahe bei den Menschen“ müssten Priester sein können. Menschen, Kinder und alte Leute sollten ihnen begegnen können. Dr. Teufel spricht sich für die Weihe bewährter Männer aus.
  • Sodann betonte Dr. Teufel im nächsten Schritt, dass Kirche für die Menschen, nicht nur für Männer gemacht sei. Leidenschaftlich tritt er für das Diakonat der Frau ein und meinte später in der Diskussion, das Priestertum der Frau sei der logische nächste Schritt. Frauen brächten Entscheidendes in die Kirche ein. Die Kirche könne nicht hinter den Entwicklungen der letzten Jahrhunderte zurückbleiben.
  • Schließlich sprach Dr. Teufel mit der Überzeugung eines Gestalters in einem dritten Teil seines Vortrages von einem „Exportartikel der Kirche“, den sie selbst nicht umsetze, der Idee der Subsidiarität. In allen Bereichen der Gesellschaft müsse die unterste Ebene (Gemeinde, Familie, Pfarrgemeinde) alle Aufgaben übernehmen, die sie gut leisten kann und in diesen Aufgaben auch entscheiden. Nur was vor Ort nicht gelöst werden könne, müsse eine übergeordnete Ebene übernehmen. In der Kirche sei es aber so, dass nicht Bischöfe, Priester und Fachleute des deutschsprachigen Raumes ein neues Gesangbuch verantworten können, sondern dieses von einem Prälaten in Rom begutachtet werden müsse. Leidenschaftlich trat Dr. Teufel für eine „Dezentralisierung“ ein und wusste sich in dieser Forderung ganz an der Seite von Papst Franziskus. „Rom muss nicht alles, nicht einmal das meiste, sondern nur weniges entscheiden.“

Bei der anschließenden Diskussion flammte immer wieder die Frage auf, was nun zu tun sei. Dr. Teufel antwortete: „Unser Kirche braucht Öffentlichkeit. Wir brauchen Transparenz für kirchliche Entscheidungsprozesse. Wir brauchen Meinungsfreiheit und Beteiligung.“ In diesem Zusammenhang sprach er der Priesterinitiative und dem Initiativkreis Bistumsreform seinen Respekt aus.

Den Artikel der Augsburger-Allgemeinen Zeitung (Ausgabe vom 09.12.2013, Region Augsburg) können Sie hier als PDF downloaden