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Bedingungslose Liebe Gottes ist theologischer Ausgangspunkt einer fördernden Familienpastoral

Eindrücke vom Vortrag von Prof. Ottmar Fuchs am 7. April im Augustanasaal

„Das theologische ‚Herz‘ der Familie in der Vielfalt ihrer aktuellen Lebensformen“ war der Titel des Vortrags von Prof. Dr. Ottmar Fuchs, Universität Tübingen, am 7. April 2014 im Augsburger Augustanasaal. Dabei zog der Referent einen weiten und durchaus spannungsgeladenen Bogen von der biblischen Betrachtung über das vom Volk Israel überlieferte Gottesbild bis hin zu aktuellen Fragestellungen, die sich aus dem vielfachen Scheitern der ehelichen Lebensform ergeben.

Grundsätzlich kennzeichne die Familie ein belastbares Vertrauensverhältnis zwischen Generationen, mindestens zwischen Eltern und Kindern. Die Elternschaft jedenfalls ist unauflösbar. An zahlreichen Beispielen erläuterte Fuchs, dass es in der Bibel überraschender Weise kaum intakte Familien gibt. Auch Jesus stelle die Familie unter die Kritik des Evangeliums, unter den Vorbehalt seiner Nachfolge. Nicht erst heute werde deutlich, dass Familien in gleicher Weise fördernde wie zerstörende Gebilde sein können. Familie kann als Rückzugsort und letzter sicherer Ort in schwierigen und ausweglosen Situationen erfahren werden, wie etwa auch im Exil des alttestamentarischen Volkes Israel die Familie zum neuen “Ort des Tempels“ wurde. Die ehelichen oder familiären Beziehungen können aber auch scheitern, und dieses Scheitern spiegele auch das Scheitern Gottes in der Welt wieder, wie dies in der Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel nachvollzogen werden kann.

In einem solchen biblisch orientierten Familienbild ist weder Platz für eine Idealisierung von Ehe und Familie noch für eine pastorale Gebots- und Drohkulisse, die nach dem Scheitern keinen Neuanfang zulässt.

Der theologische Kern einer pastoralen Neubesinnung müsse in einem erneuerten Verständnis der Gotteskindschaft gefunden werden. Die Liebe zwischen Mann und Frau, die Liebe zwischen den Generationen ist als Möglichkeit ist geschenkt, nicht aber als eine Bedingung für die Teilnahme an der Gemeinschaft der Gläubigen. Im Sakrament spendet nicht der Mensch das Sakrament, sondern Gott schenkt seine Liebe bedingungslos und ungeschuldet. Diese Heilszusage an Bedingungen menschlicher Ordnungsvorstellungen zu binden, sei eigentlich blanke Häresie, so der entschiedene Standpunkt von Prof. Fuchs. In der Konsequenz müsse die konkrete Pastoral Räume für eine ermöglichende Liebe öffnen. Wie erleben uns Menschen, die sich sehr gerne haben, aber auch an dem Mangel leiden, von außen mitgetragen zu werden? Wo erleben sie Räume, wo ihre Liebe explizit mit der Liebe Gottes in Verbindung gebracht wird, Räume – und Menschen – , die sie fördern und stützen?

In der abschließenden Diskussion über die herausfordernden Standpunkte von Prof. Fuchs wurde deutlich, dass notwendiges Umdenken in diesen Fragen nur in einem schwierigen und langwierigen Prozess vorstellbar ist. Auch lasse sich heute noch nicht absehen, ob die zum Teil hohen Erwartungen an die römische Bischofssynode zu Ehe und Familie im Herbst dieses Jahres schon zu einer Erneuerung der kirchlichen Lehre zu Ehe und Familie führen könnten.