Erklärung Oktober 2012

Erklärung zur Gründung der Priesterinitiative Augsburg

18. Oktober 2012

Wir Priester sehen uns im Epochenwandel der Gegenwart in unserem Dienst der Liturgie und Verkündigung, der Diakonie und Gemeindeleitung vor neue und große Herausforderungen gestellt.

Das II. Vatikanische Konzil gab vor 50 Jahren Antwort auf eine neue Situation der Menschen und den Anstoß, die Kirche immer zu erneuern im Geist des Evangeliums von Jesus Christus. Dieser Anstoß ist uns theologisches Erbe und Verpflichtung.

Theologisch gut begründete und von der Zeichen der Zeit her notwendige Reformanliegen wurden in diesen 50 Jahren von Bischöfen und der Römischen Kurie abgeschlagen. Die verweigerte Erneuerung bringt unsere Verkündigung in Misskredit.

 

Das Konzil hatte die Lebenswirklichkeit der Menschen im Blick. Der Mangel an synodalen Strukturen ließ die Kluft zwischen Lehramt und der gelebten Wirklichkeit in unseren Gemeinden wachsen.

Das fordert uns – geleitet von der Barmherzigkeit und Menschenfreundlichkeit des Erlösers Jesus – zu eigenverantwortlichem Handeln heraus, wenn wir  z. B. wiederverheiratet Geschiedenen die Kommunion reichen und sie in unseren Gemeinden mitwirken, oder wenn konfessionsverschiedene Ehepaare bei uns zum Empfang der Eucharistie eingeladen sind.

 

Der Priestermangel veranlasst viele Diözesen zu pastoralen Großraumplanungen. Wir rufen dazu in Erinnerung, dass wir trotzdem eine „Pastoral der Nähe“ brauchen und von lebendigen Gemeinden in der Weltkirche lernen können. Bei uns ist dafür notwendig eine Stärkung der Eigenständigkeit und Zuständigkeit von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Laien-MitarbeiterInnen und Diakonen, eine Vielfalt von Gottesdienst- und Gemeindeformen.

 

Wir haben uns in der Priesterinitiative versammelt zur gegenseitigen Stärkung, zur Ermutigung und Ergänzung in einer zukunftsorientierten Pastoral.

Wir wissen uns verbunden mit dem Volk Gottes in der Diözese Augsburg, mit seinen Gemeinden und Verbänden und mit den Berufsgruppen der pastoralen MitarbeiterInnen.

Mitverantwortung nehmen wir wahr, in dem wir diözesane und weltkirchliche Entscheidungen loyal und kritisch begleiten.

Wir üben Solidarität untereinander und mit den Priesterinitiativen, die im deutschsprachigen Raum und international entstanden sind.