Wofür wir stehen

Priesterinitiative Augsburg –

wie wir uns verstehen und was wir wollen.

Die Priesterinitiative Augsburg ist Teil einer plural gewordenen Diözese. Wir wollen in Freiheit leben und verkünden, was wir als Erbe und Auftrag des II. Vatikanischen Konzils verstanden haben. Wir wollen im Dialog um Erneuerung und Zukunft unserer Kirche im 21. Jahrhundert mit unseren Erfahrungen wahrgenommen und ernst genommen werden. „Denn der Priester soll ja der Entwicklung des Volkes Gottes dienen“ (Deutsche Bischofskonferenz, Brief an die Priester 2012).

Wie verstehen wir uns als Kirche

Kirche ist für uns geistliche Gemeinschaft und Volk Gottes auf dem Weg durch die Zeit. Unter allen ihren Mitgliedern gibt es laut Kirchenrecht „eine wahre Gleichheit an Würde und Tätigkeit“. In ihrer hierarchischen, synodalen und subsidiären Verfassung ist sie wahrhaft geschwisterlich und fördert die tätige Anteilnahme aller Gläubigen an Leitung und Verantwortung. Kirche ist wie ein „Ursakrament“: Zeichen und Werkzeug für die Einheit der Menschheitsfamilie und ihrer Gemeinschaft mit Gott. Der Geist Jesu Christi eint sie in ihrer katholischen Weite und Vielfalt. Von seiner liebenden und heilenden Gegenwart im Leben, Sprechen und Handeln der Gläubigen, besonders der Amtsträger, hängt ihre Glaubwürdigkeit ab.

Die Kirche Jesu Christi ist in der katholischen Kirche verwirklicht, aber nicht mit ihr identisch. Sie bleibt Kirche der Heiligen und Sünder und bedarf der ständigen Reinigung, Erneuerung und Umkehr (II. Vatikanisches Konzil, Über die Kirche, Nr. 8). Seelsorgliches Handeln hat in ihr den Vorrang vor rechtlichen und institutionellen Absicherungen („höchstes Gesetz ist der Heil der Seelen“). Geprägt vom II. Vatikanischen Konzil sind wir gegen römischen oder diözesanen Zentralismus, gegen klerikale und uniformierende Tendenzen. Der Dialog bleibt eine Hauptaufgabe aller Glieder der Kirche.

Bestimmend wurde für uns das Kirchenbild vom „wandernden Gottesvolk“ (Wahlspruch von Erzbischof Josef Stimpfle). Wir sind das Volk, das seit Abraham auf dem Weg zum Reich Gottes ist. Mit uns wandern die getrennten Christen, die Menschen anderer Religionen, alle, die ohne Glauben ihrem Gewissen folgen. Die Kirche Christi ist immer gehalten in der Wahrheit – diese ist nicht ihr Besitz. Das bewahrt uns vor dem Hochmut allwissender Theologen und „auserwählter“ Priester. Suchend gehen wir unseren Weg zu Gott. (Vgl. Über die Kirche, Nr. 15)

Kirche lebt in der Welt und für die Welt. Das Heil der Kleinen, Schwachen und Kranken ist ein Hauptanliegen von Jesus. Er gibt ihnen die Würde, die jedem Menschen zukommt. „Der Geist der Armut und der Liebe ist Ruhm und Zeugnis der Kirche Christi.“ (Kirche in der Welt, Nr. 88) Die Sorge um soziale und internationale Gerechtigkeit und Frieden, um Nachhaltigkeit im Umgang mit der Schöpfung und die Achtung der Menschenrechte gehört zu den Aufgaben der Kirche wie jeder Gemeinde. Den Gruppen und Mensche, die solche Anliegen vertreten, wissen wir uns dankbar verbunden.

Dialog

Dialog ist ein Aufeinanderhören und Sprechen mit Andersdenkenden auf Augenhöhe. In einer säkularen und gleichzeitig multireligiösen und multikulturellen Gesellschaft zuhause zu sein, bedeutet für uns: im Dialog sein. So gewinnen und vertiefen wir unsere christliche Identität in dieser Welt.

Dialog gehört zu Wesen und Mission der Kirche, weil er im Reden und Handeln Jesu und der Apostel begründet ist. Ohne Dialogfähigkeit wäre die Kirche Jesu Christi nicht gewachsen, ohne sie verliert sie im 21. Jahrhundert ihre Wirkkraft.

Dialog ist ein Hauptwort des II. Vatikanischen Konzils. Wir sind von ihm geprägt und von den Erfahrungen des guten Miteinanders, das wir selber viele Jahre erlebt haben, zum Beispiel im Religionsunterricht, in Pfarrgemeinderat und Seelsorgeteam, im Priesterrat und Pastoralrat der Diözese. Die Priesterinitiative ist entstanden im Zusammenhang mit autoritären, für viele unverständlichen Entscheidungen der Diözesanleitung und der römischen Kurie. Unsere Zugehörigkeit zur Diözese und zur römischen Kirche wurde in Frage gestellt. „Wer versucht ein anderer als er selbst zu sein, gerät in Verzweiflung.“ (Sören Kierkegaard)

Wir akzeptieren, dass wir mit Priestern einer ganz anderen kirchlichen Sozialisation und Prägung in Dekanaten und Diözese verbunden sind. Für ein wahrhaftiges und ehrliches Miteinander im Gespräch brauchen wir Mitbrüder, die den „Dienst der Einheit“ in Dekanat und Diözese ernst nehmen, die „mehr vorsehen als vorstehen“ (Regel des hl. Benedikt für den Abt, RB 64,8). Solange wir in Polarisierungen stehen bleiben, hindern wir uns, gemeinsam zu hören, was Gott von uns heute will und es auch zu tun.

Wie wir Ökumene der christlichen Kirchen verstehen

Gegen alle Tendenzen zur weiteren Zersplitterung und zur Profilierung der konfessionellen Unterschiede steht der Auftrag Jesu zur Einheit und steht der ausdrückliche Wille des II. Vatikanischen Konzils, den Weg der Einheit zu gehen.  Ökumenisch gesinnte Theologen haben längst Konsensvorschläge zur Behebung bisheriger Kontroversen erarbeitet. Es ist ein Ärgernis, dass die Spaltung fortdauert und wir immer noch getrennt Abendmahl und Eucharistie feiern.

`Wurde das Prinzip der „Hierarchie der Wahrheiten“ genügend beachtet? (Ökumenismus, Nr. 11) Gilt das Leitmotiv jeden Dialogs: „im Notwendigen Einheit, im Zweifel Freiheit, in allem die Liebe“? (Kirche in der Welt, Nr. 88)

Die Mitfeier der Eucharistie setzt die Einheit im Glauben voraus und fördert sie. So wünschen wir, dass die Christen anderer Konfessionen, falls sie an unserer Eucharistie teilnehmen und die Inhalte der Feier bejahen, bei uns generell die eucharistische Gastfreundschaft genießen dürfen.

Nahe bei den Menschen? „Strukturreform – Raumplanung 2025“

Mit der begonnenen und inzwischen per Dekret durchgeführten Strukturreform „Raumplanung 2025“ wurden die ersten Weichen für neue Seelsorgeeinheiten in unserem Bistum gestellt und Fakten geschaffen, die wohl nicht mehr umkehrbar sind. Unter dem Druck des Priestermangels werden immer größere Verwaltungseinheiten – „XXL-Pfarreien“ – konstruiert, in denen Nähe und Zugehörigkeit kaum mehr erfahren werden können. Priester kommen immer mehr unter Druck und Gläubige bleiben fern, wenn ihnen nicht zugetraut wird, Mitverantwortung zu übernehmen und sich in demokratischeren Strukturen an der Leitung ihrer Gemeinden zu beteiligen. Dagegen wachsen Strukturen, die einem neuen Zentralismus in Form von Zentralpfarreien Tür und Tor öffnen, auch wenn dies von der Bistumsleitung bis jetzt dementiert wird.

Mit dieser Entwicklung werden zugleich neue Machtverhältnisse geschaffen: In all diesen strukturellen Veränderungen zentriert sich die ganze „Last“ der Verantwortung auf die Person des leitenden Pfarrers. Von einem „Priestertum aller Getauften“, wie es im II. Vatikanischen Konzil verankert ist, ist kaum mehr die Rede. Doch wir Priester können und müssen dies auf Dauer nicht leisten. Darum ist es notwendig, dass wir aufhören, die Seelsorgestrukturen allein vom Personalstand der Priester abhängig zu machen und von daher immer noch größere Seelsorgeeinheiten zu schaffen, anstatt nach den Lebensräumen und Bedürfnissen der Menschen vor Ort zu fragen. Wir brauchen vielmehr eine Vielfalt an Gemeindeformen und eine Seelsorge mit Frauen und Männern in den unterschiedlichsten Diensten, die nahe bei den Menschen sind. Das Hauptproblem unserer Kirche ist nicht, dass uns die Priester und die Gläubigen fehlen. Was fehlt, ist das Vertrauen und Zutrauen in die getauften Glieder der Kirche, denen die Verantwortung für die Gemeindeleitung, auch schon die Teilverantwortung, verweigert wird.  „Wo es aber an Vertrauen und Zutrauen fehlt, da wird nur zugelassen, was überwacht werden kann.“  1)

Wir erwarten deshalb, dass wir in der Kirche bereit werden, das Leitungsamt neu zu über denken und für Verheiratete und Unverheiratete, Frauen und Männer, Hauptberufliche und ehrenamtlich Tätige in Liturgie, Verkündigung und Diakonie Zugänge zu den Ämtern in der Kirche zu schaffen. Eine Pastoral der Nähe, in der Menschen vor Ort eine spirituelle Heimat finden und haben, wird auf Dauer nur so gewährleistet sein. Die Länder in der sog. Dritten Welt, vor allem in Lateinamerika, zeigen uns schon lange durch ihre Basisgemeinden gute und bewährte Wege in der Kirche auf. Gemeinde Jesu Christi ist dort, wo Liturgie, Verkündigung und Diakonie sind; und zwar in der jeweilig örtlichen Gemeinschaft, in der Menschen ihre geistlichen und materiellen Güter miteinander teilen.

Zuletzt bleibt die sog. Strukturreform „Raumplanung 2025“  den Menschen noch die pastorale Antwort  auf die Herausforderung schuldig, die mit dieser „notwendigen Reform“ verbunden ist:  Wie bleiben die Kirche vor Ort und unsere Gläubigen inmitten pastoraler Großräume und Verwaltungseinheiten geistlich lebendig? So lange wir uns dieser Frage und Herausforderung nicht gestellt haben, wendet dieses „Unternehmen – Raumplanung 2025“ keine Not, auch wenn sie als notwendig definiert wird. Hier wäre erneut Dialog auf allen Ebenen angesagt, auf den wir weiter hoffen.

1) Dr. Sabine Demel / Professorin für Kirchenrecht an der Uni Regensburg, Vortrag bei der Veranstaltung: „Kirche sind wir alle“, am 21.04.2012 in Augsburg

Wie wir uns als Priester verstehen

Mit den Gläubigen unserer Gemeinden verbindet uns das gemeinsame Priestertum durch die Taufe. Mit ihnen leben wir dankbar von dem „einen Hohenpriester Christus“, der im Wort und Sakrament in unserer Mitte gegenwärtig ist. Er beruft uns in seinen besonderen Dienst, die Gemeinde aufzubauen durch die Verkündigung des Wortes und die Feier der Sakramente, besonders der Eucharistie. Wenn wir „in der Person des Hauptes Christus“ die Gemeinde leiten sollen, haben wir mit unserem Leben, Reden und Handeln zu bezeugen, dass nicht wir, sondern Er „der Herr“, „das Haupt“, „der gute Hirte“ unter uns und für uns ist. Ihm, der uns berufen hat, schulden wir Gehorsam und dem Volk Gottes, zu dessen Dienst wir gerufen sind, ebenso wie dem Diözesanbischof. (Vgl. u. a. II. Vatikanum, Über den Dienst der Priester, Nr. 9)

Über den kirchlichen Gehorsam

In der Konstitution Dei Verbum (Über die göttliche Offenbarung) des II. Vatikanischen Konzils wird vom Gehorsam des Glaubens gesprochen, in dem sich der Mensch Gott als ganzer in Freiheit voll anvertraut, durch die Gnade Gottes und den Beistand des Heiligen Geistes (Art. 5).

Das erneuerte theologische Verständnis der Kirche als Mysterium (und nicht bloß als Institution) führt in der Konstitution Lumen Gentium (Über die Kirche), im Dekret Christus Dominus (Über die Bischöfe), im Dekret Optatam totius (Über die Priesterausbildung), im Dekret Presbyterorum Ordinis (Dienst und Leben der Priester) zu entsprechenden Aussagen über den Gehorsam der Priester: Es geht nicht um eine Unterordnung, die ein besseres Funktionieren ermöglicht, sondern um ein wechselseitiges Verhältnis, das in der gemeinsamen Teilhabe am Weiheamt gründet und vom Heilswillen Gottes her gesehen und gelebt werden muss.

Der priesterliche Gehorsam gilt also dem Willen Gottes und bewährt sich im Dienst an den Menschen zu deren Heil. Als kirchlicher Gehorsam ist er auch eingefügt in den Dienst der Kirche und damit in die Einheit mit dem Bischof und dem Presbyterium. „Es bleibt die Spannung zwischen dem Gehorsam gegen Gott und dem Gehorsam gegen eine menschliche ….Autorität bestehen. … Denn der Wille Gottes ist nicht einfach identisch mit den Entscheidungen der von Gott eingesetzten Amtsträger in der Kirche.“ ( Kommentar P. F. Wulf SJ in den Konzilstexten, Herder III S. 214)

Noch einige Zitate aus den Konzilstexten:

„Er (der Bischof) soll sich nicht weigern, seine Untergebenen zu hören.“ (Über die Kirche, Nr. 27)

„Die Bischöfe haben darum die Priester, denen in der Weihe die Gabe des Heiligen Geistes verliehen wurde, als ihre notwendigen Helfer und Ratgeber im Dienstamt der Belehrung, der Heiligung und der Leitung des Gottesvolkes zu betrachten.“ (Über den Dienst der Priester Nr. 7)

„Wegen dieser Gemeinschaft also im gleichen Priestertum und Dienst sollen die Bischöfe die Priester als ihre Brüder und Freunde betrachten.“ (a.a.O.)

„Sie sollen sie gerne anhören, ja sie um Rat fragen und mit ihnen besprechen, was die Seelsorge erfordert und dem Wohl des Bistums dient.“ (a.a.O)

Aus dem Kommentar von Fr. Wulf SJ zu PO 15 in Herder III S. 211ff:
„Gehorchen wird hier im strengen Wortsinn verstanden als ein Hinhorchen auf die Stimme Gottes.“ … „Menschliche Autorität und Leitungsgewalt, auch und gerade in der Kirche, muss darum so ausgeübt werden, dass sie Gottes Absichten dient und den Blick für dessen Absichten freilegt.“

Miteinander Gottes Willen entdecken und zu verwirklichen suchen bestimmt auch das Verhältnis zwischen Hirten und Laien, wiederum in beiden Richtungen. Deshalb müssen wir auch von einem Gehorsam der Priester gegenüber dem Volk Gottes sprechen.

In Lumen Gentium Art. 37, wo es um die Laien und ihr Verhältnis zu den Hirten geht, wird den Laien Mitsprache-Möglichkeit, bisweilen sogar die Pflicht in Bezug auf das Wohl der Kirche eingeräumt. Die Laien sollen in christlichem Gehorsam aufnehmen, was die Hirten als Lehrer und Leiter der Kirche festsetzen. Die Hirten sollen den klugen Rat benutzen, Aufgaben übertragen, Vorhaben, Eingaben, Wünsche der Laien ernst nehmen.

Wenn man bedenkt, dass Pfarrgemeinderäte erst nach dem Konzil Vat. II geschaffen wurden, dann kann man ermessen, welchen Sprung es für die Kirche bedeutet: Von der monarchischen Struktur zu demokratischen Elementen, von Unterordnung zum Miteinander. Die Sorge um die rechte Lehre und Treue zu ihrem Herrn, verbunden mit der Sicht der besonderen Weitergabe des Geistes in dem Amt der Kirche, hat die Kirche lange unfähig gemacht, die Christen wirklich ernst zu nehmen als durch Taufe und Firmung geisterfüllte wie auch durch Bildung und gesellschaftliche Verantwortung mündige Personen.

Hier sind wir herausgefordert.

Das Stichwort Gehorsam beleuchtet dabei einen wichtigen Aspekt einer evangeliumsgemäßen Gestaltung der kirchlichen Gemeinschaft.

Zulassung von Nichtkatholiken zur Eucharistie

Die Zulassung von Nichtkatholiken zur Eucharistie (bzw. der Ausschluss) bewegt viele, nicht zuletzt auch engagierte Katholiken. Auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil war davon immer wieder die Rede, manchmal ausdrücklich, manchmal im weiteren Sinn.

Das Dekret über den Ökumenismus Unitatis redintegratio (UR, vor allem ab dem Artikel 8) benennt zwei Prinzipien, was die Gemeinschaft im Gottesdienst anlangt: Einmal die Bezeugung der Einheit – sie „verbietet in den meisten Fällen die Gottesdienstgemeinschaft“, zum Zweiten die Teilnahme an den Mitteln der Gnade – „sie empfiehlt sie indessen in manchen Fällen“. Dabei wird auch die eucharistische Gemeinschaft mit den getrennten Ostkirchen unter gegebenen geeigneten Umständen als sogar ratsam angesehen (UR 15,3). Das ist beachtlich, denn diese Ostkirchen erkennen ja den Papstprimat nicht an.
UR 8: „Wie man sich hier konkret zu verhalten hat, soll unter Berücksichtigung aller  Umstände der Zeit, des Ortes und der Personen die bischöfliche Autorität im klugen Ermessen entscheiden, soweit nicht etwas anderes von der Bischofskonferenz nach Maßgabe ihrer eigenen Statuten oder vom Heiligen Stuhl bestimmt ist.“

Daraus geht hervor, dass dem Konzil daran gelegen war, dass vor Ort pastorale Lösungen gefunden werden (und nicht alles zu einer dogmatischen Grundsatzfrage gemacht wird, so dass sich nichts und niemand mehr bewegen kann.)

In der Folge des Konzils kam es zum Ökumenischen Direktorium und zur Neuregelung der Eheschließung von Katholiken mit nichtkatholischen, christlichen Partnern. Evangelische Christen wurden darin bei der gemeinsamen kirchlichen Trauung zum Empfang der Kommunion zugelassen, unter folgenden Bedingungen:

– Gute Verbindung mit der eigenen Kirche
– Glaube an die eucharistische Gegenwart
-Ja zur katholischen Kirche

Was damals möglich war, soll das heute nicht mehr gelten? Die theologische Abklärung strittiger Fragen mit den reformatorischen Kirchen hat viel Trennendes ausgeräumt und viele Fortschritte gebracht. Angeführt sei nur die Erklärung zur Rechtfertigung. Die Einheit der Kirchen ist damit deutlich näher gerückt.

Was trennt die Kirchen, was trennt die Gläubigen? Setzt die Zulassung zur eucharistischen Gemeinschaft die volle Einheit voraus? Oder anders gefragt: Wie viel an Gemeinsamkeit im Glauben ist verlangt, welche Unterschiede dürfen bestehen, ohne dass sie ausschließen?

Es ist inzwischen schon ein Übermaß an theologischer Leistung erforderlich, um zu erklären, was uns bei der Gemeinsamkeit „eine Taufe, ein Glaubensbekenntnis“ noch so sehr trennt, dass wir jedem Nichtkatholiken die Kommunion verweigern müssen. Noch viel weniger ist zu erleben, dass dies von den nicht-diplomierten Gläubigen auch verstanden wird.

Nicht gering ist die Zahl und das Gewicht der Theologen, die sogar eine „Einheit der Kirchen schon heute“ als möglich ansehen, über eucharistische Gastfreundschaft  hinaus.

Paulus befindet: „Wir sind nicht Herren eures Glaubens!“ (2 Kor 1,24) Wenn jemand eine gläubige Sehnsucht in sich spürt, am Mahl des Herrn teilzunehmen, steht es uns nicht zu, darüber zu entscheiden, ob diese Sehnsucht als Einladung des Herrn zu diesem Mahl zu werten ist oder nicht. Nicht die kirchliche Autorität und ihre Repräsentanten sind die Gastgeber, sondern der Herr.

Kriterium, ob jemand zum eigenen Heil oder Schaden an diesem Mahl teilnimmt, ist nicht seine „Gerechtigkeit“ (z. B. frei von Sünden), sondern ob er sich bewusst ist, „dass es der Leib des Herrn ist“ (1 Kor 11,29).

Im Falle christlicher Eheleute kommt noch das Gewicht des Sakramentes der Einheit in der Ehe hinzu. Auch wenn Paulus nicht die Kommunion im Blick hat – seine Aussage, dass der ungläubige Ehepartner durch den christlichen geheiligt ist (1Kor 7,14), ist in die Überlegungen einzubeziehen.

Kommunion wird von uns berechtigterweise immer mit der Gemeinschaft der Gläubigen, also der Kirche, verbunden. Doch der Aspekt der Sakramentalität verweist zwingend auch auf die Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus Christus, der nicht in der Kirche aufgeht. Er ist nicht zu trennen von dem Mann aus Nazareth, wie er uns in den Evangelien begegnet. So wie er mit den Menschen umgegangen und auf sie zugegangen ist, ist es schwer vorstellbar, dass er konfessionsverschiedene Paare im Sakrament der Ehe verbindet, ihnen aber die Gemeinschaft beim eucharistischen Mahl verweigert.

Es muss auch berücksichtigt werden, welche Folgen der Ausschluss eines Partners für die Einheit der Ehe, für den Glauben der Eheleute und der Kinder hat.

Es gilt auch zu unterscheiden zwischen einer Zulassung  und einer Einladung, zwischen einer Zulassung einzelner und der allgemeinen eucharistischen Offenheit, zwischen der Teilnahme an den Mitteln der Gnade in begründeten Fällen und der Teilnahme als Mittel zur Wiedervereinigung.

Beim Erwägen all dieser Überlegungen scheint der Schaden für die Kirche und die einzelnen Gläubigen in Deutschland größer, wenn wir weiterhin grundsätzlich nichtkatholische Christen, insbesondere solche, die mit Katholiken verheiratet sind, von der Kommunion ausschließen, als wenn die Kirche sie zur Kommunion zulässt.